Am zweiten Tag meines ersten Praktikums mit süßen Anfang 20 dämmerte es mir – eine 40 Stunden Arbeitswoche ist die Hölle! Oder besser gesagt eine Art Fegefeuer, die nach dem Studium nun etwa 40 Jahre andauern würde, bis ich endlich wieder – natürlich nur, wenn ich Glück habe – in die Freiheit namens Rente entlassen werde.
Doch damals war ich zunächst nur 3 Monate lang gefangen. Es kam mir da schon wie eine halbe Ewigkeit vor. 13 Wochen lang 8 Stunden pro Tag, das waren ganze 520 Stunden, die ich mit Aufgaben verbringen musste, die mich nicht wirklich interessierten.
Doch es lag nicht an den Aufgaben, warum mir das Praktikum so unerträglich schien, es lag an der Zeit!
Selbst Menschen mit dem coolsten, besten, interessantesten und erfüllendsten Job der Welt, können ihn doch wohl nicht 40 Stunden die Woche lieben?
Und was ist dann mit denen, die langweilige Berufe haben?
Die nichts machen, in dem sie Sinn finden, wie vielleicht Menschen in Pflegeberufen? Die nicht um die Welt jetten, zu hippen Geschäftsessen und Vernissagen. Die ganz normalen Büroleute, die 40 Stunden pro Woche eigentlich nichts anderes machen als sitzen. Und dabei in einen Monitor starren, durch blau verspiegelte Bildschirm-Brillengläser oder trockene Kontaktlinsen. Um ihren Rücken zu entlasten, bauen sie maximal viele Klogänge in ihren Arbeitstag ein und spielen mit dem Gedanken, erneut mit dem Rauchen anzufangen, während sie sehnsüchtig die kleine Menschentraube mit den Glimmstengeln im Mund im Hof beobachten.
40-Stunden-Woche: Oder, wie du am besten den Sommer verpasst
Aber zurück zu meinem Praktikum: Es war dummerweise im Sommer! Und drei Monate heißt in Deutschland leider – ein ganzer Sommer. Während ich also den ganzen Sommer des Jahres 2011 eingesperrt in miefigen Redaktionsräumen verbrachte, gingen meine Freunde reisen, verbrachten die Tage am See und die Abende beim Grillen. Ich war abends einfach nur fertig. Und die Wochenenden verbrachte ich vor allem mit zwei Dingen: Putzen und Einkaufen – Hallo, bitterer Vorgeschmack auf mein Erwachsenenleben.
Wie schaffen es Menschen mit einer 40-Stunden-Woche nur so etwas wie ein Sozialleben aufrechtzuerhalten? Wie können sie ihre Wohnung sauber halten? Wann finden sie die Zeit, sich gesund zu ernähren oder Sport zu treiben? Ich war schon stolz, wenn ich mich morgens so früh aus dem Bett quälen konnte, dass ich noch Zeit hatte zu duschen. Und mir etwas Belegtes vom Bäcker zu holen.
Im Grunde sind es ja keine acht Stunden, die Vollbeschäftigten in der Arbeit verloren gehen. Es kommt noch die Mittagspause hinzu, die man mit fremden Menschen verbringt, während man über die Arbeit spricht. Und die Fahrtzeiten hin und zurück, der liebe Berufsverkehr. Sowohl in der U-Bahn als auch mit dem Auto – nervenzehrend und zeitintensiv.
Der Heilige Gral 40-Stunden-Woche
Erinnerst du dich noch an den Sommer 2018, auch bekannt als Rekordsommer? Von den Rekordtemperaturen habe ich in der klimatisierten Onlineredaktion, in der ich damals arbeitete, nicht viel mitbekommen. Inmitten des Großraumbüros sah ich nicht mal bis zu den Fenstern. In der Mittagspause traf mich die Hitze wie eine Wand, während mich das frostige 19 Grad kalte Büro für eine halbe Stunde in die brütend heiße Münchner Innenstadt ausspuckte.
Was sollte ich machen – ich brauchte Geld! Also arbeitete ich ein paar Monate lang als freie „Online-Redakteurin“ bei einem Tagblatt. Frei bedeutete: Ich durfte mir einteilen, wann ich arbeiten wollte und ich bekam etwas mehr Geld als die Festangestellten. Auf der anderen Seite musste ich mich selbst krankenversichern und Steuern abgeben. Für mich ein guter Deal – mehr Freiheit plus mehr Geld gegen einen Versicherungsaufwand. Für alle anderen in der Redaktion scheinbar nicht, denn für die freien Mitarbeiter dort war die Festanstellung wie ein heiliger Gral, in den sie unbedingt hinein wollten. Es schien wie eine Zweiklassengesellschaft. Die Festen vs. Die Freien.
Feste vs. Freie Mitarbeiter & die liebe Rente
Die Festen „durften“ mit auf Firmenveranstaltungen und mussten für alle wichtigen Ereignisse bereitstehen. Die Freien konnten selbst entscheiden, ob und wann sie arbeiten. Die Festen mussten Urlaubszettel ausfüllen. Die Freien rechneten sich aus, wie viele Tagessätze sie brauchten, um gut leben zu können – meistens waren es nicht sehr viele. Und dennoch scharrten alle Freien mit den Füßen, sobald wieder einer von den Festen das Handtuch geschmissen hatte und seine Stelle kündigte.
Als ich mich dazu bekannte, meinen Status als Freelancerin zu lieben, blickte ich nur in verdatterte Gesichter. Und wurde mit dem Totschlagargument niedergerungen: „Und was ist mit deiner Rente? Du hast wohl Bock auf Altersarmut?“
Ganz ehrlich – ich weiß nicht, was ist, wenn ich 65 Jahre alt bin. Dann haben wir übrigens das Jahr 2054. Doch selbst wenn ich mich direkt nach dem Studium in eine Vollzeitstelle begeben hätte, wäre ich mit 27 bereits 13 Jahre später dran gewesen, ins Berufsleben einzusteigen als mein Opa. Ich denke, dass mit der Rente wäre also so oder so nichts mehr geworden. Aber das sagte ich meinen Kollegen natürlich nicht, sonst wäre eine Grundsatzdiskussion entflammt. Stattdessen zuckte ich mit den Schultern und nuschelte leise etwas von „Erbe“.
Alternativen zur 40-Stunden-Woche
Ich kann nur für mich sprechen: Ich liebte das Leben als Freelancerin! Ich liebte es, im Sommer in die Wetterapp zu blicken und mir die Tage jenseits der 30-Grad-Marke frei zu markieren. Ich liebte es, dass ich nicht abhängig von einem Chef war, bei dem ich mich irgendwie einschmeicheln musste. Ich genoss die Freiheit, an kalten Tagen von Zuhause aus zu arbeiten. Und ich liebte es, Flüge zu buchen, wann und für so lange, wie ich will, ohne mich nach Urlaubs- und Feiertagen richten zu müssen.
Alternativen könnten auch sein, nur Teilzeit in einem „Brot-Job“ zu arbeiten und den Rest der Zeit nebenberuflich selbständig Herzensprojekte zu machen. Oder die freien Stunden einfach mit Hobbys, Sport oder süßem Nichtstun verbringen.
Mittlerweile habe ich eine Agentur gegründet. Jetzt verdiene ich sogar Geld, während andere für mich arbeiten und fühle mich freier denn je. Ich bin mein eigener Chef und arbeite mit einem Team, das ich gerne um mich habe, sowie mit wertschätzenden Kunden. Natürlich ist nicht alles immer toll und es gibt auch viele wahnsinnig anstrengende Zeiten (am Anfang bin ich fast im Burnout gelandet), dennoch möchte ich diese Freiheit gegen nichts auf der Welt wieder eintauschen. Wie du Freelancer wirst, als Freelancer 6-stellige Umsätze machst oder auch deine eigene Agentur gründest, zeige ich dir Schritt für Schritt in meinen Programmen.

