Meine persönliche Geschichte
Ronja, sag mal, wie war das bei dir?
2011-2016 Die Frage nach dem „Was soll ich nur werden, wenn ich groß bin“
Meine Generation hieß „Generation Praktikum“ – Warum? Weil wir unzählige unbezahlte Praktika machen sollten, um unseren Lebenslauf aufzuhübschen. Zeitung, Radio, TV – nirgends konnte ich mir vorstellen, dort ein Leben lang zu arbeiten. Mit 25 hatte ich eine abgebrochene Hotelfachausbildung sowie ein abgebrochenes Lehramtstudium vorzuweisen. Bis ich schließlich einfach das studiert habe, was mir Spaß macht, ohne an den perfekten Lebenslauf zu denken: Literatur. „Und was macht man dann danach?“, war die Frage, die mir Verwandte und Partybekanntschaften gleichermaßen stellten. Eine Frage, die auch mich gegen Ende des Studiums kaum mehr schlafen ließ.



2016. Mein erster Freelance Kunde
Bei all den Praktika merkte ich immer nur, wo es mir überall nicht gefiel. Wie ich mir keinesweg vorstellen konnte zu arbeiten: 9-to-5. Als freiheitsliebende Studentin kam mir das vor, wie ein Gefängnis und völlig sinnlose Lebenszeitverschwendung. (Spoiler: Ich arbeitete als Agenturgründerin zwischenzeitlich von 7am-to-10pm).
Je näher das Ende des Studiums rückte, desto verzweifelter wurde ich. Bis ich schließlich auf einen Artikel über digitales Nomadenleben stieß. Das wollte ich auch! Ortsunabhängig arbeiten, ohne Chef, Bürostuhl und anstrengende Kollegen. Was ich konnte? Texten. Über eine FB-Gruppe kam ich an meine ersten beiden Kunden und verdiente ganze 10€ Stundenlohn. Für mich als Studentin unfassbar – ich verdiente 800€ im Monat, ohne das Haus zu verlassen (Was ich damals noch nicht auf dem Schirm hatte: 800€ Umsatz sind nicht 800€ Gewinn).
2017. Der Sprung in die Selbstständigkeit nach dem Studium
Soll ich jetzt Bewerbungen schreiben oder nicht? Ich entschied mich für NEIN. Gegen den Einstieg in ein festes Berufsleben, gegen vermeintliche Sicherheit, gegen die vielen Stimmen meines Umfelds: „Sammel doch erstmal Berufserfahrung, danach kannst du dich immer noch selbstständig machen.“ Stattdessen konnte ich von meinen 800-1000€ gut über die Runden kommen, da ich ja immer noch meinen Studentinnen-Lifestyle führte. Etwas Glück hatte ich natürlich auch: Bei meinem alten Studentenjob an einer Hotelrezension konnte ich Teilzeit angemeldet werden. So sparte ich mir die teure Krankenkasse.
Nach ein paar Monaten wurde es aber wieder Zeit zu springen – von 10€ Stundenlohn kann man als Selbstständige nicht leben! Hier öffnete mir der Kontakt zu anderen Selbstständigen die Augen. In einem Camp für digitale Nomaden wurde mir schwarz auf weiß ausgerechnet, wie viel Stundensatz ich mindestens einnehmen müsste, um alle Eventualitäten (Urlaub, Krankheit) abzudecken. Ich kündigte beiden Kunden und machte mich auf die Suche nach Neuen. Über Weiterempfehlung im Bekanntenkreis geriet ich an meinen ersten 40€ zahlenden Kunden. 4 Mal mehr als vorher. Für mich ein Riesensprung!
2018. Warum mein Traum vom Digital Nomad Life gescheitert ist
Nach einer Trennung und dem damit einhergehenden Verlust meiner Wohnung (Reminder an mich: Zieh nie wieder zu einem Mann, sondern lass ihn einziehen) entschied ich mich, dass jetzt der perfekte Zeitpunkt wäre, es einmal auszuprobieren – All in – Das Digitale Nomadenleben. Für 3 Monate ging ich nach Bali in ein Haus. Was soll ich sagen? Es war nichts für mich. Zu schwierig mit den Kunden und der Zeitverschiebung, zu weit weg von meiner Familie und meinen Freunden, zu nervig mit dem Meer vor der Nase am Laptop zu sitzen.
Mein 40€-Kunde ging flöten und ich backpackte mit Freundinnen einmal quer durch Asien anstatt zu arbeiten. Ich beschloss lieber von Zuhause aus zu Freelancen – an meinem festen Arbeitsplatz – und jetzt wirklich zu reisen und etwas von der Welt sehen. Also kam ich (ziemlich broke) nach München zurück und startete als Freelancerin in einer Agentur und einer Redaktion, für 18€ (Redaktion) und 27€ (Agentur) pro Stunde.
2019. Ich komme als Freelancer gut über die Runden
Es war ein ewiges Hin und Her mit dem Geld. Ich kündigte in der Redaktion, danach verlor die Agentur einen Kunden und kündigte alle Freelancer. Ich fing also wieder in der Redaktion an. Bis plötzlich ein Kunde – ganz von selbst – via Xing in mein Postfach schneite. In der Zwischenzeit habe ich eine schlaue Sache gemacht: Ich habe mich als Texterin auf SEO spezialisiert. Am besten üben konnte ich auf meinem eigenen Blog Generation Y, der auch ordentlich Reichweite hatte für ein Hobbyprojekt. Mein neuer Kunde zahlte mir 50€ die Stunde und buchte mich 2 Tage pro Woche. So hatte ich immerhin knapp 3000€ in der Tasche und konnte die restlichen drei Tage an meinen Herzensprojekten, wie dem Blog arbeiten. Die Idee einer eigenen Agentur ist übrigens schon damals schon gereift, als ich als Freelancerin in der Agentur arbeitete. Bei einigen Kundenprojekten, die sie teilweise mehr schlecht als recht anboten, dachte ich mir immer: Das kann ich auch und sogar besser!



2020. Corona und die Gründung meiner Agentur
Anfang 2020 zog ich als Freelancerin den ersten richtig großen Fisch an Land. Ein sehr bekannter Kunde mit über 6000 Mitarbeitern und einer Milliarde Jahresumsatz. Ich wurde drei Tage pro Woche gebucht. Zusammen mit meinem anderen Verlagskunden wurde es mir schnell zu viel, denn plötzlich war ich 5 Tage pro Woche bei meinen Kunden. Vollzeit, Montag bis Freitag, 9to5. Gerade wollte ich beim Verlagskunden Stunden reduzieren, als sich die Lage zuspitzte und gefühlt die ganze Welt ins Homeoffice geschickt wurde. Zunächst für zwei Wochen. Ich konnte endlich durchatmen.
Wieder habe ich zwei schlaue Sachen gemacht: Ich sourcte Arbeit an eine virtuelle Assistentin aus und launchte einen SEO-Kurs. Die zwei Wochen gingen vorüber und nichts änderte sich. Das gesamte Jahr 2020 kehrte ich aufgrund der Pandemie nicht mehr in die Büros meiner Kunden zurück, sondern baute mir mein eigenes Office in meiner Wohnung auf. Onlinemarketing war DIE Gewinnerbranche während Corona. Nach und nach wuchs mein Kundenstamm und ich holte zwei Freundinnen als Freelancerinnen ins Boot, die mich fortan unterstützten.
2021. Meine erste Angestellte, die Agentur wächst
Die Zusammenarbeit mit Freelancern ist unkompliziert und perfekt für den Anfang, der ganze Kundenstress blieb aber an mir hängen. Mein Umsatz wuchs und wuchs, ich konnte jedoch nicht mehr abschalten, sondern arbeitete Nonstop inkl. Schlafstörungen. Ich dachte mir, während Corona verpasse ich ja eh nichts und war ganz kurz davor, im Burnout zu landen. Es wurde Zeit, die erste Vollzeitmitarbeiterin einzustellen. Was noch schwieriger ist, als Kunden zu gewinnen? GUTE Mitarbeiter zu finden!
Hier hatte ich jedoch Glück, nach einigen Failbewerbungen schneite eine junge Frau erst in mein Postfach und dann in mein Leben. Meine erste Vollzeitangestellte – die Rettung! Im Sommer 2021 konnte ich eine Woche nach Mallorca fliegen und musste nur ab und zu vormittags meine Emails checken. Zweimal „Arbeiten im Ausland“ war auch drin, hier merkte ich aber wieder, wie wenig Freude es mir machte, von unterwegs aus zu arbeiten. Dann lieber Urlaub!
2022. Ein richtiges Office und der erste richtige Urlaub als Unternehmerin
Nach zwei Jahren Homeoffice reichte es. Ich sah mich nach einem Büro für die Agentur um und fand direkt eins in der Nähe meiner Wohnung. Inklusive großem Schaufenster für Werbung. Seitdem arbeiten wir hybrid, mal Zuhause, mal im Office. Im August schaffte ich es, einen ganzen Monat freizunehmen. Zwar mit einiger Vorarbeit, aber immerhin. Meine Vollzeitkraft und die Freelancerinnen schmissen den Laden ohne mich. Ein Meilenstein!
Die Agentur wächst, die Aufgaben sind klar verteilt und ich möchte meine Erfahrungen an Menschen weitergeben, die unglücklich angestellt sind, die sich auch selbstständig machen oder eine Agentur gründen möchten.
2023-2024 Mamareise und Agentur
2023 wurde ich schwanger und mir war wirklich wirklich übel! Das ganze Jahr war ich nicht wirklich produktiv, musste aber eine neue Mitarbeiterin finden und einlernen, damit ich 2024, nach der Geburt meines Sohnes entspannt in Elternzeit gehen könnte. Wieder einmal hatte ich Glück und eine duale Studentin mit Berufserfahrung kam ins Team und unterstützte mich und meine Vollzeitmitarbeiterin.
Ich arbeitete bis eine Woche vor Geburt, um alles „ready“ zu machen und sehnte mich nach Mutterschutz, den alle Angestellten 6 Wochen vor der Geburt haben (das klang wirklich nach einem Traum für mich und ich verfluchte die Selbstständigkeit).
Als mein Baby auf die Welt kam, lief jedoch alles ganz entspannt ohne mich weiter. Genauso wie meine Einkünfte. Anfang des Monats schrieb ich Rechnungen und hatte das gleiche Einkommen, wie zuvor. Ich war weder auf Elterngeld angewiesen noch auf Kitas oder Fremdbetreuung. Seit mein Sohn 6 Monate alt ist, arbeite ich wieder 3 Tage pro Woche für ein paar Stunden, während sein ebenfalls selbstständiger Papa auf ihn aufpasst. Die Arbeit ist jetzt wie Urlaub für mich und ich freue mich auf neue Kundenprojekte. Ich finde, es gibt nichts besseres als Mama eine Agentur zu führen. Mehr Freiheit, mehr Flexibilität, stabile Einkünfte aufgebaut auf mehreren Kunden. Du tauscht nicht deine wertvolle Zeit gegen Geld, sondern verdienst auch, während du mit deinem Baby spielst. Das willst du auch? Dann sieh dir jetzt meine Angebote an.
