Vom Freelancer zur Agentur – ein Erfahrungsbericht

Was will ich beruflich machen? Wie will ich arbeiten? Wo will ich leben? Das waren die drei großen Fragen, die mich eigentlich meine ganze Studentenzeit hindurch beschäftigten. Auf der Suche nach Antworten hangelte ich mich von Praktikum zu Praktikum und stellte immer nur fest, was ich nicht wollte: Eingespannt in einem Konzern sein, in dem ich am Schreibtisch meine Zeit absitzen musste. 40 Stunden die Woche, 40 Jahre lang bis zur Rente. Ein Albtraum für mich. 

Also entschied ich mich gegen Ende meines Studiums für die Selbstständigkeit. Ich wusste nicht genau, wie und was ich anbieten sollte – ich wusste nur, dass das Leben als Freelancerin mir das versprach, was ich mir aus tiefstem Herzen wünschte: Freiheit. 

Da ich Germanistik studierte und schon seit Kindertagen das Schreiben liebte, fing ich an, für Kunden zu texten. Meine ersten Auftraggeber erreichte ich über Facebook-Gruppen. Sie suchten Freelancer für Textaufgaben und Social Media – ich war bereit alles zu lernen, was meine Arbeit als Selbstständige wertvoller macht. Schließlich startete ich mit dem grandiosen Stundenlohn von 10 Euro. Genauso viel wie in meinem Studentenjob, dachte ich damals noch naiv, nur dass ich die Arbeit sogar gemütlich vom Sofa aus erledigen konnte. Dass davon als Selbstständige auch die Krankenkasse, Ausfalltage, Urlaub und Altersvorsorge bezahlt werden mussten, war mir damals noch nicht so richtig klar. 

Ab wann macht es Sinn eine Agentur zu gründen?

Über die Jahre sammelte ich Erfahrung: Ich spezialisierte mich beim Texten auf SEO und mit meinen Kompetenzen stieg auch mein Stundenlohn. Auch die Anzahl meiner Kunden und Aufträge wuchs über die Jahre. Je mehr Jobs ich machte, desto öfter wurde ich weiterempfohlen. Irgendwann merkte ich, dass ich die Aufträge zeitlich alleine gar nicht mehr bewältigen konnte und holte mir eine virtuelle Assistentin ins Boot. Mittlerweile ist auch noch eine Social Media Managerin mit an Board, da Social Media relativ häufig von Kunden angefragt wird, ich diesen Job aber nicht wirklich gerne mache. 

Und genau da stellt sich jetzt die Frage – wie gehe ich vom Einzelunternehmer den Schritt zur Agentur? Genau in diesem Prozess steckte ich damals ganz schön fest.

Endstation Freelancer: An diesen Punkten stößt du als Einzelkämpfer an deine Grenzen

  1. Die Kunden möchten meist mehrere Dienstleistungen abgedeckt haben, also nicht nur SEO und Texte, sondern auch Newsletter-Marketing, Social Media oder SEA. Dienstleistungen, in denen ich nicht überall Expertin sein kann.
  2. Meine Zeit allein reicht nicht mehr für alle Aufträge aus. 
  3. Mit mehr Zeit könnte ich Akquise betreiben, dadurch noch mehr Aufträge an Land ziehen und das gesamte Business hochskalieren.

Ich wäge ab – was sind eigentlich die Vor- und Nachteile einer eigenen Agentur? Welche Risiken bringt dieser Schritt mit sich und warum lohnt er sich überhaupt?

Agentur gründen: Die Vorteile

Höherer Stundensatz

Während als Freelancer der Stundensatz meist zwischen 50 und 70 Euro liegt, fangen Agenturpreise eigentlich erst ab 100 Euro an. Da die Agentur laufende Kosten, wie Mitarbeiter oder ein festes Büro hat, lassen sich diese Preise leichter rechtfertigen. Außerdem arbeiten im Agentur-Team bestenfalls echte Experten, die natürlich ausreichend bezahlt werden müssen. Auch Preisverhandlungen lassen sich als Agentur leichter führen, denn als Einzelunternehmer kannst du leichter preislich „gedrückt“ werden, als ein Team von mehreren Leuten, bei denen der Preis feststeht. 

Mehr Zeit für Akquise

Als Freelancer fehlt meist die Zeit für Akquise. Als Agentur ist sie meist ein wichtiger Bestandteil des Tagesgeschäfts. Da jetzt mehr Leute mitarbeiten, müssen Aufträge gesichert sein. Außerdem lassen sich die Aufgaben besser verteilen, so dass sich ein Teammitglied Zeit nehmen sollte, aktiv Akquise zu betreiben.

Mehr Kapazitäten für größere Projekte

Mit mehreren Leuten im Team lassen sich mehrere verschiedene Dienstleistungen anbieten. Dadurch kann eine Agentur flexibler auf größere Projekte oder Unternehmen reagieren. Ein Unternehmen sucht Spezialisten für SEO, SEA und WordPress? Als Einzelunternehmer kommt man da leicht an seine Grenzen, während man als Agentur mit Experten dem Kunden „alles aus einer Hand“ anbieten kann.

Ein Ort, an dem Kunden sein können – Der Vorteil von Google My Business

Ein Vorteil einer Agentur ist, dass sie meist an einem festen Ort ist, wo Kunden hinkommen können. Ein Büro, in dem das Team gemeinsam arbeitet und Auftraggeber bei einer Tasse Kaffee empfangen werden, um neue Projekte zu besprechen. Zweiter Vorteil an diesem festen Standort ist die Nutzung von Google My Business. Immer mehr Menschen suchen nicht nur über Google, sondern auch über Google Maps nach Keywords wie „Seo Agentur München“ oder „PR Agentur Kreuzberg“. Dank Google My Business wirst du diesen Interessenten dann mit deiner Adresse und Telefonnummer angezeigt. 

Agentur gründen: Die Nachteile

Höhere Kosten

Mitarbeiter, ein festes Büro, Equipment, mehr Aufwand bei der Buchhaltung – eine Agentur ist natürlich mit höheren Kosten verbunden, als wenn du allein in deinem Wohnzimmer vor dich hin arbeitest. Vor dem Schritt zur Agentur solltest du dir also genau ausrechnen, wie viel Budget du im Monat zur Verfügung hast und ob es reicht, um alle Kosten inklusive deinem eigenen Gehalt abzudecken.

Mehr Verantwortung

Mehrere Mitarbeiter und ein fester Standort bedeuten natürlich auch weitaus mehr Verantwortung. Du kannst nicht mehr so einfach Aufträge ablehnen und stattdessen „Spaß-Projekte“ annehmen, die dir vielleicht mehr Freude bereiten, aber weniger Geld einbringen. Als Agentur bist du schließlich nicht mehr nur dein eigener Chef, sondern musst dein Team bezahlen. 

Die große Frage: Agenturgründung mit Angestellten oder Freelancern? 

Sobald du deine Agentur gründest, stellt sich die wichtige Frage: Möchtest du einen Angestellten, der Vollzeit für dich und dein Business arbeitet oder bleibst du lieber flexibel mit einem Freelancer? Zwar ist ein Angestellter vom Stundensatz deutlich preiswerter als ein Freelancer, aber dazu muss dessen Arbeitszeit auch effizient genutzt werden. Krankheits- und Urlaubstage mit eingerechnet. Der Vorteil eines Angestellten ist, dass er ausschließlich für dich arbeitet und sich somit viel mehr auf deine Projekte konzentriert, als ein Freelancer, der für viele verschiedene Kunden im Einsatz ist. 

Fazit: Agentur gründen oder Freelancer bleiben

Freelancer zu werden geht relativ schnell und ohne viel Aufwand. Manchmal reichen zwei Kunden aus, um Kosten zu decken und flexibel mit einem hohen Maß an Freiheit und Eigenverantwortung arbeiten zu können. Im Laufe der Zeit kommt aber jeder gute Freelancer an seine Grenzen und muss sich entscheiden, entweder Aufträge abzusagen, für die keine Zeit mehr bleibt, oder diese outzusourcen. Entscheidet sich der Freelancer für Letzteres, ist der erste Schritt hin zur Agentur schon gemacht. Ob man dann ein Büro anmietet, Mitarbeiter einstellt oder selbst Freelancer beauftragt, gilt es abzuwägen. Reichen die Aufträge bisher? Könnte man noch akquirieren? Welche Dienstleistungen bieten sich noch an, um mehr Kunden zu bekommen? Noch wichtiger ist aber auch die eigene Einstellung: Will ich überhaupt mehr Verantwortung und einen größeren organisatorischen Aufwand oder bin ich als Freelancer glücklich? Mehr Geld zu verdienen, reicht langfristig nämlich sicher nicht als Motivation allein aus. 

Ich habe mich langsam an das Agenturleben herangetastet. Mit der Unterstützung einer virtuellen Assistentin und einer befreundeten Social Media Managerin schaffte ich es, mehr Aufträge anzunehmen, als ich allein bewältigen konnte. Zeit für Akquise blieb allerdings noch lange nicht. Und auch den Traum vom eigenen Agentur-Büro habe ich mir erst erfüllt, als ich schon sehr konstante, hohe monatliche Umsätze machte. Auch du bist dir noch nicht ganz sicher, ob du lieber erfolgreicher Freelancer mit 6-stelligen Jahresumsätzen sein möchtest oder dir im nächsten halben Jahr eine Agentur aufbauen solltest. In meinen Programmen unterstütze ich dich bei beidem. Melde dich gerne auch für mein kostenloses Webinar an: Kunden gewinnen, die wirklich Umsatz machen. 

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