Ich kenne Frauen, die freuen sich darauf endlich schwanger zu werden, weil sie dann erstmal nicht mehr arbeiten müssen. Die fiebern auf den Mutterschutz hin und können es kaum erwarten, ein bis zwei Jahre Elternzeit zu nehmen. In dieser Zeit vielleicht sogar nochmal ein Kind zu bekommen, um direkt zu verlängern.
Und es gibt Frauen wie mich, die freuen sich darauf, wieder zu arbeiten.
Nicht einmal, weil ich meinen Agenturjob so sehr liebe, dass ich mich dafür gerne von meinem Baby trenne. Sondern eher, weil mir die Zeit ALLEINE am Laptop so gut tut. Die Zeit, Gedanken zu Ende zu denken. Die Zeit, etwas zu kreieren (und sei es nur einen Newsletter für einen meiner Kunden). Die Zeit, etwas geistig herausforderndes zu tun.
Rückblick: Freude an der Arbeit über die Jahre verloren
Bevor ich schwanger wurde, hatte ich keine Ahnung, dass ich meinen Job gerne mache. Irgendwie bin ich ins Agenturleben so reingerutscht. Ich war als Texterin selbstständig und dachte mir, dass ich doch ebenso eine Agentur gründen könne, wie einer meiner Auftraggeber. Als Corona kam und die Welt ins Homeoffice ging, nutzte ich die Chance und stellte meine erste Freelancerin ein, um Kundenprojekte outzusourcen. Die nächsten Jahre hustlete ich extrem. Ärgerte mich mit Kunden herum, stellte Mitarbeiter ein, kündigte Mitarbeiter, verdiente gutes Geld mit teilweise unnützem Zeug.
Ich genoss meine Freiheiten, meinen Kontostand (nachdem man mich als Germanistikstudentin jahrelang gefragt hatte, ob ich mal Taxi fahren wolle) und dass ich meine eigene Chefin war. Spaß machte es mir aber nicht, jeden Tag mehrere Calls zu haben, um Rabattnewsletter oder Social Media Kampagnen zu besprechen.
Mutterschutz als Selbstständige? Gibt es nicht
Bis fünf Tage vor der Geburt arbeitete ich und verfluchte meine Selbstständigkeit, bei der es sowas wie Mutterschutz einfach nicht gab. Während meiner gesamten Schwangerschaft lernte ich noch eine neue Mitarbeiterin ein, was natürlich auch ein Kraftakt war. Doch es zahlte sich aus: Die ersten fünf Monate mit Baby arbeitete ich so gut wie gar nicht.
Zum ersten Mal war ich ganz raus. „Arbeite, wenn das Baby schläft”, ist ein doofer Tipp, wenn das Baby ein Schreikind ist, das nur auf kilometerlangen Märschen in der Trage zur Ruhe kommt.
Arbeiten in Elternzeit mit 6 Monate altem Baby
Doch genau das wurde mir zum Geschenk. Denn als mein Sohn etwa 6 Monate und endlich kein Schreikind mehr war (ich hätte es damals nie zu träumen gewagt, aber er ist jetzt super entspannt), teilten mein Freund und ich uns die Arbeit etwas auf. Er betreut ihn an drei Tagen pro Woche, die ich wieder arbeiten konnte/wollte/musste. Und während ich anfangs noch unschlüssig war, wie es denn jetzt weitergehen soll, kam nach kurzer Zeit zum ersten Mal die Freude zurück.
Ich hatte meine Kunden vermisst. Es machte mir Spaß mit meinem kleinen, feinen Team zu arbeiten und sogar die eher unnütze Arbeit fühlte sich nach geistiger Herausforderung an. Es tat gut, wieder eine gewisse Routine zu haben! Ich bin unheimlich stolz, eine Agentur aufgebaut zu haben, die auch während meiner Elternzeit ohne mich weiterlief. Wenn das auch etwas für dich ist, dann klick mal hier.
Schlechtes Gewissen? Nein, danke!
Die drei Tage pro Woche, an denen ich arbeitete trug ich mir mit “Work<3” im Kalender ein und erschrak kurz. Durfte ich die Abwesenheit des kleinen Menschen, den ich über alles liebe, denn so sehr genießen? Ich entschied: JA. Denn babyboy ist ja gut betreut und verbringt wertvolle Stunden mit seinem Papa. Und ich darf kleine Pausen haben, an denen ich mich wieder kreativ ausleben darf. Das macht mich zu einer besseren Mama. Die babyfreien Arbeitstage sind ein wunderbarer Ausgleich zu den sehr intensiven rund-um-die-Uhr Babytagen. Mama und Unternehmerin sein ist für mich das perfect Match!
Ab wann Baby in die Kita geben?
Ob ich mein Kind auch schon so früh in die Kita geben würde? Ich weiß es nicht. Ich bin froh, dass wir es uns als Eltern aufgrund unserer Selbstständigkeiten (mein Freund ist auch selbstständig) frei einteilen können und das nicht entscheiden müssen. Ich kenne Mamas, die ihre Babys bereits mit 9 oder gar 6 Monaten in die Kita geben, um wieder zu arbeiten. Niemals würde ich darüber urteilen.
Denn gerade in Großstädten müssen Mütter schon wieder früh arbeiten, um teure Lebenshaltungskosten mitzufinanzieren. Oder sie wollen es – so wie ich! Weil es ihnen gut tut, weil es ein Ausgleich zur recht undankbaren Care-Arbeit ist. Oder weil sie ihren Job einfach lieben.
Wie ist das bei dir? Ab wann hast du wieder gearbeitet? Hast du deinen Job vermisst oder warst du froh, einmal “raus” aus der 40-Stunden-Woche zu sein?

